
Es gibt kaum ein Gericht, bei dem sich alle einig sind, dass es
wirklich und wahrhaftig einfach nur sexy, traumhaft, guad, wunderbar und echt super ist.
Doch wenn man einen Menschen im Lokal sieht, dem vor lauter Lust
schon das Safterl im Mund zusammenläuft, dann kann man sicher sein, er hat ein Wiener
Schnitzel bestellt.
Oh, du wunderbares knuspriges Stückerl Fleisch, wie wir dich
lieben. Wenn du gut gemacht bist, ist es fast schon ein erotisches Erlebnis, dich zu genießen.
Mit knusprigen Bratkartofferln, hausgemachten Preiselbeeren
und einem schönen Salaterl -da geht einem echt das Herz auf.

Aber woher kommt denn diese Liebe zum Schnitzel?
Entstanden sein soll es ja in Wien, und eine der wohl
bekanntesten Entstehungsgeschichten ist die des Feldmarschalls Radetzky, der derart
vernarrt in das italienische „Cotoletta alla Milanese“ war, dass er das Rezept mit
nach Wien an den kaiserlichen Hof brachte, und die Hofküche daraus das weltbekannte Wiener Schnitzel
kreierte.
Aber in Wirklichkeit war das Schnitzel wohl ein Ergebnis der Liebe der Österreicher für gebackene Speisen. Aber wer vermag des heute noch zu
sagen.
Eigentlich auch wurscht, schee, dass es das Schnitzel gibt!
Doch jetzt kommen wir zu einem viel wichtigerem Punkt, speziell für alle unsere Koch-Legastheniker da draußen. Jetzt mal aufgepasst, dann klappt das auch bei Euch.
Vorab noch mal für Alle da draußen: das Wiener Schnitzel ist
immer vom Kalb und ja, das darf auch ein bisserl mehr kosten. Nix da, keine
Wiederrede! Qualität kostet was!
Und Alle, die jetzt meinen „Des krieg i aber a für a paar
Euro“; denen sei gesagt, dass das dann ein Schweineschnitzel „Wiener Art“ ist. Sollte es jetzt immer
noch ein paar Unverbesserliche da draußen geben, die das nicht verstehen und von denen gibt´s doch immer ein paar, bitte jetzt aufhören
weiterzulesen und weiter Dosenravioli und Billigschnitzel essen, Ihr habt es
verdient.
Für Alle, die jetzt noch weiterlesen, gratuliere Ihr
habt Geschmack!
So. jetzt lasst uns mal loslegen und kochen, also auf geht´s!
Zuerst brauchen wir mal ein schönes Stückerl Kalbfleisch, am besten
eine Kalbsoberschale, wie hier im Bild zu sehen.

Und wie bei einer schönen Frau ziehen wir unsere
Kalbsoberschale erstmal aus bzw. ab, nämlich den Deckel.

Danach parieren wir das Fleisch und schon kommt unsere
wunderbare Oberschale zum Vorschein. Eine echte Schönheit, wie ich finde.

Und weil wir nichts verschwenden, auch das ist Teil eines
respektvollen Umgangs mit dem Tier, machen wir aus den Abschnitten scheene
Kalbspflanzerl oder ein anderes Schmankerl.

Jetzt schneiden wir uns ein schönes Schnitzerl runter und
klopfen es etwas, würzen es und panieren es mit Mehl, Ei und frischen
Semmelbröseln.

Dann kommt der schönste Teil! Wir backen unsere
Schnitzel in Butterschmalz und schwenken dieses in der Pfanne, bis die Panade
wunderbar luftig aufgeht.

Am Schluss noch ein bisserl frische Butter dazu und nochmals
aufschäumen lassen, bis die Schönheit in all ihrer Pracht golden braun vor uns
liegt.

Jetzt noch die Beilagen dazu und schon beginnt das Genießen!

Zum Schluss noch ein paar ganz besondere Empfehlungen für Alle, die
das Wiener Schnitzel wirklich lieben!
Ein ganz besonderer Tipp ist das
Wiener Lokal Figlmüller in der Wollzeile. Die Heimat des Wiener
Schnitzels nennen es auch viele und dort wird wohl das beste Schnitzel Wiens serviert.
Ein kleiner Tipp von mir wäre das Old Swiss House in Luzern. Hier gibt´s seit 70 Jahren das beste
Schnitzel der Schweiz und es wird auch noch in einer Kupferpfanne am Tisch
gebraten, der absolute Hammer! Auf der
Karte steht´s Französisch – das hört sich eh immer alles viel erotischer an und
macht irgendwie auch mehr Glust, wie wir Bayern sagen würden.
„Escalope de Veau a´la Facon du Patron“. Oh mein Gott, ich muss da unbedingt bald
wieder hin!
Wie Ihr nun alle erkennen könnt, ist das Wiener Schnitzel
nicht einfach nur ein Gericht, nein, es ist weitaus mehr als das, es ist ein Stückchen kulinarische Kultur.
Schaut bitte weiter über den Tellerrand, über das unser Wiener
Schnitzel manchmal sogar drüberhängt, und bleibt neugierig, hungrig und genießerisch.
Mit kulinarischen Grüßen
Euer
Alexander Reiter