Michi´s ganz besondere Weihnachtsgeschichte

Es war ein Winter, wie schon lange nicht mehr. Es schneite
immerzu und der eisige Wind ließ die Schneemassen auch noch durch die Lüfte
tanzen, so dass man die Hand nicht mehr vor Augen sah. Meterhoch lag der Schnee
an diesem Weihnachtstag, doch bald würde er sich auf dem Heimweg machen, dachte
sich der Koch Michi, der hier an dem kleinen Landflughafen das Bistro betrieb.

Der
letzte Flug war gerade abgehoben und die Passagiere der kleinen Maschine, die
vor ein paar Minuten gelandet war, sollten eigentlich die Letzten sein.

Die meisten Kollegen waren schon weg, es war ja schließlich
Weihnachten und es war ruhig geworden am Flughafen. Soweit er sehen konnte
waren da noch die beiden Polizisten, die bei ihm immer gerne ihren Kaffee
tranken und der neue Kollege von der Bodencrew, der gerade das Gepäck auslud.

Alle anderen hatten sich scheinbar schon aus dem Staub
gemacht.

Er warf kurz einen Blick rüber und sah dort lediglich 3
Leute stehen, die auf ihr Gepäck warteten, na was soll´s aufräumen und ab nach
Hause.

Er schnappte sich einen Putzlappen und begann sein kleines
Reich zu reinigen, das Lied summend auf den Lippen, das gerade über die
Lautsprecher schallte „Let it snow“. Hmm passend, kam es ihm in den Sinn, bei dem
Schneetreiben.

So dachte er bereits bestens gelaunt an Zuhause,
Weihnachtsgesänge, glückliche Gesichter und das Strahlen in den Augen seiner Lieben.

Ein lautes Schreien
und Schimpfen riss ihn aus seinen Gedanken und so schaute er über seine Theke
um zu erkennen was da denn vor sich ging.

Von seiner Position aus sah es so aus, als hätten die beiden
Polizisten den Ausgang versperrt und verwehrten den drei verbliebenen
Passagieren das Verlassen des Flughafens. `Wahrscheinlich wieder so ein Zoll-
Ding` dachte er. Naja, sind halt Beamte, die können nicht einmal an Weihnachten
a Ruh geben.

Da er eh fertig war und nur noch das Licht ausgeschaltet
werden musste, zog er sich schnell seine Schütze aus, warf sich seine Jacke
über und machte sich auf den Weg zum Ausgang.

Als er die Gruppe erreichte und an ihnen vorbei durch
die Tür gehen wollte, hielt ihn einer der Kollegen auf.

„ Des wird leider nix, tut mir leid.“ Michi schaute
verdutzt.

 „Wie, das wird nix ??“ Der Polizist zeigte auf die große Anzeigetafel in
der Abflughalle auf der stand „ Aufgrund des starken Schneesturms kann der
Flugbetrieb am morgigen Tag leider nicht durchgeführt werden. Alle
Zufahrtsstraßen zum Flughafen sind zur Zeit unpassierbar, bei Fragen wenden
Sie sich bitte an unsere Telefon Hotline. Wir bitten um Ihr Verständnis und
wünschen ein frohes Weihnachtsfest.“

Michi drehte sich wieder zu ihm um, zuckte mit den Schultern
und sagte „Ja und??“.

„ Wir sind eingeschneit, wir kommen nicht weg, es ist alles
zu, glaubst ned wir wollen auch heim?“

Jetzt erst begriff Michi langsam, was er ihm da sagte, er saß
hier fest! Was für eine Schei……… und das an Weihnachten. Zuhause warteten seine
Liebsten, die Geschenke und vor allem auch die Gans, die es traditionell immer
an Weihnachten gab und welche er jedes Jahr mit viel Liebe zubereitete. Das
müsste jetzt seine Frau übernehmen, welche zwar sehr gut backen, aber nicht
kochen konnte; das könnte ein Problem werden!

Kaum zu Ende gedacht, klingelte sein Handy. „Hallo mein
Schatz, ich habe im Radio gehört, dass Ihr eingeschneit seid“ erklang die
Stimme seiner Frau.

 „Hallo mein Engel, ja leider, ich weiß nicht, wann ich heimkomme, ich werd mich wohl verspäten“.

„Das macht doch nichts! Du kannst ja nichts dafür! Ich hab
hier alles im Griff, ich hab auch schon die Gans ins Rohr geschoben, ich dachte
mir 250 Grad! reichen, is ja ne echt große Gans“.

Michis Blutdruck begann bei diesen Worten direkt zu steigen,
doch er versuchte mit Engelszungen zu antworten. „Das ist ja sehr schön mein
Schatz, geh jetzt bitte in die Küche und schau nach der Gans, okay?“.

„Okay, bin vor dem Ofen. Sieht noch so aus, wie eben, als ich sie reingeschoben habe, soll ich die Temperatur erhöhen? Vielleicht 300?“

Er merkte, wie er langsam selbst zu kochen begann, doch er
versuchte weiter ruhig zu antworten.

„So mein Engel, jetzt drehen wir das Ganze erst einmal
runter. Auf 160 Grad Umluft, ja?“

„Okay, wenn Du meinst“ antwortete sie. „Ist erledigt!“

„Schön, das hast Du gut gemacht. Du hast auch Wasser angegossen
oder?“

„Wohin?“ hörte er es am anderen Ende der Leitung. Nun wurde er langsam unruhig. „Engelchen, die Gans ist in einer Reine oder?“

Schweigen am anderen Ende, er hörte nur einige Zeit etwas Töpfegeklapper
und ein leises Fluchen, was ihn dann doch schmunzeln ließ.

„Ja, aber logisch, die Gans ist in einer Reine, klar!“, seine Frau klang etwas gehetzt. 

Er musste lachen „Du hast sie grad hineingesetzt oder?“

Auf der anderen Seite kam nur ein „Wie? Ich hör Dich so
schlecht, es rauscht ein bisschen, muss der Schnee sein“

„Ja klar der Schnee“, antwortete er schmunzelnd „Du bist mir
so Eine. Jetzt gießt du bitte 300ml Wasser in die Reine und schiebst sie zurück
in den Ofen. Dann lässt Du sie 2 ½ Stunden garen, ich schau, dass ich hier
irgendwie wegkomme“.

Er hörte noch ein „Okay, erledigt, ich freu mich auf Dich, Küsschen“ bevor sie auflegte.

`So, das war geschafft` dachte er so bei sich. `Schiebt die
Gans bei 250 Grad rein, Himmel hilf. Ich muss schnell heim, sonst kocht Sie mir
noch die Knödel in der Waschmaschine`.

Nachdem das Gespräch beendet war, drehte er sich wieder zu
den Polizisten, „Oiso Leute, wie kommen wir hier weg, Notfall, meine Frau kocht!“

Die beiden sahen sich an und mussten lächeln, bevor einer
von ihnen antwortete 
„Macht mei Oide jeden
Tag, und ich leb trotzdem noch. Mir sitzen hier erstmal fest, bis die Straßen
wieder frei san, Hilft nix, muas dei Frau halt Würstl essen mit Kartoffelsalat,
wenn sie des schafft “ der Polizist schlug seinem Kollegen
kameradschaftlich auf die Schulter und beide begannen herzhaft zu lachen.

„Ich merk schon, Ihr seid´s heut echt guad drauf!“ erwiderte
Michi

„Und was is mit denen Drei?“

„Die kommen auch ned weg. Leider verstehen wir koa Wort von
dem, was die sagen, die kommen irgendwie von auswärts.“ 

Michi blickte hinüber und sah die Drei da stehen. Sie hatten einen
Zettel in der Hand und schauten traurig in Richtung Tür.

„Die haben eine Einweisung ins Krankenhaus für den kloanen
Bub“ hörte er seinen Kollegen sagen. 

„Ja und? Könnt´s Ihr keinen Krankenwagen rufen?“ Michi schaute ihn an. „Der Bub fliegt
sicher ned stundenlang zu uns, weil er schnupfen hat!“

„Michi, des wissen wir auch, aber schau doch mal raus!“ mischte sich der andere Polizist ein.

„Hast ja recht“ Michi klang etwas entmutigt, doch dann begann
er einen Plan zu schmieden! Wenn sie hier alle fest saßen und der Kleine schon
sein Weihnachten am Flughafen feiern musste, dann wenigstens richtig.

Er stellt sich vor die Anwesenden auf und begann „Okay Leute, es ist Weihnachtstag, wir sitzen alle hier fest und das lässt sich nicht
ändern. Aber deswegen werden wir trotzdem Weihnachten feiern!“

Die Eltern des Kleinen schauten sich mit ratlosen Gesichtern an „No etiendo ni lo
mas minimo de eso“.

Als unser Koch das hörte, lachte er laut auf, schaute zu den
Polizisten und sagte „ Das ist Spanisch, Ihr Bauern!“  Da er selbst einige Zeit in Spanien gelebt
hatte, erklärte er der Familie die Situation. 
Sie selbst waren sehr verwundert über solche Schneemassen,
doch waren gleich Feuer und Flamme für die Idee, dann einfach hier Weihnachten
zu feiern, speziell ihres kleinen Sohns wegen, denn er war noch so klein, doch
sollte er doch ein schönes Weihnachtsfest haben.

Der Mutter liefen dabei ein paar Tränen die Wangen hinunter. Vielleicht würde er kein weiteres mehr haben, wenn sie keinen Spender finden, erklärte sie Michi, denn ihr kleiner Sohn hatte Blutkrebs.

Michi blickte hinüber zu dem kleinen Jungen, der auf dem Boden
saß und ganz vertieft mit seinem Spielzeugauto spielte und wurde unendlich
traurig.

Doch jetzt war nicht die Zeit zu weinen, er würde helfen, ihm
das schönste Weihnachten aller Zeiten zu bescheren und zwar genau hier auf dem
Flughafen.

Gesagt, getan. Die beiden Gesetzeshüter fingen an eine Art
Parcours aufzubauen und riefen den neue Kollege von der Bodencrew mit seinem
Elektro-Wagen. Dieser fuhr mit dem Kleinen unter fachgerechter Aufsicht in der
Abflughalle herum, das dieser nur so vor Freude lachte.

Der Vater des Kleinen überlegte sich derweil allerlei
Spiele und die Mutter und Michi gingen in die Küche.

Geschwind war eine Tafel mit Allem, was er noch so
fand in seiner kleinen Bistro- Küche, gerichtet. Es würde wohl nicht viel werden, Kuchen, ein
paar Keksen, doch wurscht, denn der Geist der Weihnacht hatte sie längst
alle erfasst. Noch einen kleinen Topf Glühwein aufgesetzt und einen
Kinderpunsch für den Kleinen.

Michi zog noch mit Hilfe der Anderen einen Weihnachtsbaum
herein, der in der Halle als Dekoration gestanden hatte und stellte noch einige
Kerzen auf den Tisch.

Mit einem Mal erstrahlte sein kleines Reich in völlig neuem
Licht, draußen vor den großen Glasscheiben türmte sich der Schnee, der das
Kerzenlicht reflektierte und verzauberte die Szenerie in ein regelrechtes
Winterwunderland. Der Geruch des frischen Glühweins und des leuchtenden
Weihnachtsbaums, die Tafel, gefüllt mit den kleinen Speisen und die weihnachtliche Musik zur Untermalung komplettierten das Ganze.

Michael goss noch schnell ein paar Gläser Sekt ein und einen
Orangensaft. 
Es war geschafft, die Gäste konnten kommen. Als der Kleine
mit seiner Schaar an Weihnachts-Entertainern bei der Tür erschien, merkte man, wie viel Freude sie alle gehabt hatten.

Sie hatten Rentierhüte auf, die sie irgendwo in Shop aus der
Auslage geliehen hatten und lächelten über beide Ohren. Tja, Kind bleibt Kind,
ob groß oder klein.

Michi verteilte die Sektgläser, sie stießen an und ihre
kleine Feier konnte starten. 
Dabei fiel ihm auf, dass er gar nicht wusste, wie all seine
Feiergäste hießen.

Die beiden Polizisten hießen Caspar und Hausl. Mal echt
bayerische Namen, aber die der anderen, da müsste er später mal fragen. 

Sie begannen zu essen, scherzten und genossen den frühen
Abend, der neue Kollege der Bodencrew, seine Name war übrigens Melchi, war ein echt lustiger Typ, der
allerlei Witze auf Lager hatte.

Michi merkte, dass sich die Familie in diesem Kreis sehr
wohlfühlte, sie alle lachten und genossen die Feier. 

Maria, die Mutter des Kleinen begann mit dem Kerzenlicht kleine Schattenbilder an die Wand zu werfen
die der Kleine sofort fangen wollen, sehr zur Belustigung seines Vaters Joseph.

Unser Koch war glücklich und blickte zufrieden in die Runde,
wenn er auch seine Familie vermisste. Seine Frau würde vielleicht wirklich
Würstl machen müssen, denn er glaubte nicht, dass er es noch bis nach Hause schaffen würde, als plötzlich sein Handy klingelte.

„ Hallo Michi! Schau mal aus dem Fenster!“

Was Michi sah, brachte ihn fast augenblicklich zum Lachen.
Seine Frau hatte sich scheinbar die Schneeraupe vom Nachbarn ausgeliehen und
walzte sich ihren Weg zum Haupteingang und sie hatte eine Gans dabei!!

Er holte sie am Haupteingang ab, drückte sie und sie sagte „Ich dachte mir, wenn Du nicht zum Essen heimkommst, kommt
das Essen halt zu dir!“

„Du bist einfach die Beste, mein Engel“ antworte Michi glückselig und so wurde die Tafel doch noch reichhaltig gedeckt und alle
erfreuten sich an der wundervollen Weihnachtsgans.

Michi stellte allen seine Frau vor, die im Anschluß Michael ins Ohr flüsterte „Willst Du mich
verarschen? Ist Dir irgendwas an Deinen Gästen aufgefallen?“ Michi zuckte
mit den Schultern.

„Wir haben hier Caspar und Hausl“ seine Frau zeigte auf die Polizisten, „Hausl ist die bayerische
Version von Balthasar, der Lustige dort drüben heißt Melchi oiso Melchior. Und die Eltern
heißen Maria und Joseph, des muas Du doch gemerkt haben?“

Jetzt fiel es unserem Koch wie Schuppen von den Augen, stimmt, aber sicher nur Zufall, doch dann erhob sich Maria und bat
Michael zu übersetzten. „Ihr guten Menschen, wir danken Euch von ganzem Herzen,
dass Ihr uns so wundervoll aufgenommen habt, Gott beschütze Euch. Ihr habt uns
und unserem kleinen „Jesús“ einen wundervollen Abend beschert.“

Jetzt erkannte Michael, dass seine Frau Recht hatte und er
schaute mit offenem Mund in die Runde. Das musste ein Zeichen Gottes sein, auch
wenn Jesús ein echt gebräuchlicher Vorname in Spanien war. 
Immer und immer wieder dachte er darüber nach, es musste ein
Zeichen sein!

Als sich die Feier langsam dem Ende näherte, einigten sich
alle, den Abend mit einer schönen Schneeraupenfahrt ausklingen zu lassen und so
fuhr unsere Weihnachtsgesellschaft einen nach dem anderen nach Hause, bis sie
letztendlich vor dem Krankenhaus standen.

Michael half das Gepäck auszupacken und begleitete die
drei zur Anmeldung, um zu übersetzen. 
Er brachte die Familie noch aufs Zimmer und verabschiedete
sich von ihnen.

Als er sich beim Hinausgehen bei der Anmeldung noch von der
Nachtschwester Gabi verabschieden wollte, sagte diese

„Wenn Sie sich noch als möglicher Spender eintragen wollen,
dritte Tür links, war doch Ihre Frage oder?“

Michi war ein wenig verdutzt „Ähhh ja, dritte Tür links, mach ich!“

Als das erledigt war, setzte er sich zu seiner Frau in die
Schneeraupe und fuhr glücklich und gesättigt durch die tief verschneite
Winterlandschaft nach hause.

Einige Tage später zwischen den Jahren, als er sich gerade
zum Skifahren aufmachen wollte, klingelte sein Telefon.

„Grüß Gott, Kreiskrankenhaus der Barmherzigen Schwestern
hier, spreche ich mit Herrn Michael Himmelreich?„

„Ja, das bin ich“ antwortete Michi. 

„Wir möchten Sie bitten, umgehend zu uns ins Krankenhaus zu
kommen.“

„Ja, und wieso?“

„Des sagt Ihnen dann der Arzt, Sie machen sich bitte gleich
auf den Weg!“

Und schon war Michael in seinem Auto und auf dem
Weg ins Krankenhaus.

Hier angekommen wurde er sogleich zum Chefarzt gebracht, der
ihn freudig anlächelte. „Grüß Gott, Sie kommen wirklich wie gerufen. Sie haben
sich doch als Spender eintragen lassen und erfreulicherweise passen Sie ganz
genau, um dem kleinen spanischen Jungen zu helfen. Mit Ihrer Hilfe wird er wieder völlig gesund!“

Michael wusste nun welches Zeichen Gott ihm geben wollte und für was er vorgesehen war.

Mit Tränen des Glücks und seinem Glauben im Herzen, war er
zu Gottes Werkzeug geworden, um dem Kleinen zu helfen wieder gesund zu werden.

So würde Michael dieses Weihnachten wohl nie vergessen, das Weihnachten, an dem seine Frau eine leckere Gans gezaubert hatte, er ein paar weihnachtliche Stunden am Flughafen verbrachte und allem voran, dass er dem kleinen Jesus ein neues Leben schenken durfte.

***

Das Team des Schlemmerblogs wünscht euch von Herzen eine
schönes Weihnachtsfest und einen guten Rutsch ins neue Jahr.

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Mit weihnachtlichen Grüßen,

eurer Schlemmerblog München

Herbert Hörnlein, Nicole Savels und Alexander Reiter

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